Historische Baukunst



Das antike Flair von Bisenti findet man auch heute noch in den Straßen und kleinen Plätzen des historischen Zentrums, wo man die farbenfrohe Atmosphäre einer typischen mittelalterlichen Ortschaft wiederentdeckt.

Auf dem Platz Vittorio Emanuele erhebt sich die Pfarrkirche S. Maria degli Angeli mit einem majestätischen Glockenturm und der Abtei. Traditionsgemäß ist die Kirche franziskanischen Ursprungs, weil hier Franz von Assisi verweilte. Sie gilt als einer der größten Basiliken der Abruzzen des 15./16. Jahrhunderts. Eine Ecke des Mosaikbodens des Petersdoms in Rom erinnert an diese Basilika.




 

Das heilige Gebäude, mit viereckigem Grundriss und nur einem Kirchenschiff, ist unterteilt in Fächergewölbe. Auf dem Gewölbe kann man drei große ovalförmige Fresken bewundern, die folgendes darstellen: Die Verurteilung Salomons, das Wunder des Moses und das Verstoßen Eliodoros aus dem Tempel. Zwischen den Lisenen und seitlich der Fenster sowie über dem Hauptgesims, sind die Figuren der Propheten und die Allegorien der Kardinalstugenden dargestellt. An den Seiten der vier Kanzeln befinden sich die Darstellungen der vier Evangelisten aus Stuck. Über der linken Seitenkapelle sieht man ein kleines ovalförmiges Gemälde aus dem 18. Jahrhundert, welches S. Emidio, das Dörfchen Bisenti in der Hand tragend, abbildet.




 

In einer Nische, seitlich des Hauptaltares, steht eine Statue der Madonna degli Angeli. Sie ist die Schutzpatronin dieser Kirche, hergestellt im 16. Jahrhundert von G. Gagliardelli. Sie besteht aus schönem und wertvollem polychromen Terrakotta. G. Gagliardelli hat es verstanden den abbruzzesischen Mystizismus mit dem derzeitigen florentinischen Ausdruck zu verschmelzen. Jedes Jahr am 2. August wird mit einer Feier das Bildnis dieser Heiligen geehrt. Um sie sind im Laufe der Jahrhunderte viele Sagen und Legenden entstanden, die immer sehr viele Pilger angezogen haben. Die Überlieferung besagt in der Tat, dass die Statue der Madonna am Ufer des Flusses Fino erschienen ist, von wo sie von den jubelnden Gläubigen in die ihr gewidmete Kirche transportiert wurde. Mit gefalteten Händen, leicht geneigtem Kopf, blickt sie mit mütterlicher Anbetung auf das auf ihren Knien wiegende Kind. Viele Schriftsteller erinnern an das Ritual dieses Festes, welches seinen Ursprung in heidnischen Kulten findet. Unter diesen durfte D’Annunzio nicht fehlen, der in Erinnerung an seine bisentinischen Vorfahren in seinen Novellen von Pescara erzählt: „… viele Jungfrauen in Bisenti, auf dem Kopf einen Korb voller Weizen tragend, führen einen Esel durch die Straßen, der auf dem Rücken ebenfalls einen großen Korb trägt. Sie betreten singend mit ihren Gaben die Kirche der Madonna degli Angeli.“




 

Die Altstadt

In der Nähe der Abtei befindet sich die Via del Supporto, deren Häuser im 17. Jahrhundert entstanden sind. Die charakteristischen Häuser besitzen Galerien und Tragbalken aus Holz. Erwähnenswert ist vor allem das alte Turmhaus. Interessant ist auch der Besuch des Stadtviertels „ Codacchio“ mit seinen alten Häusern, den Treppen, den Handelshäusern mit Sichtsteinen und Bögen „vestino“. Die Mauerstruktur eines römischen Bauwerkes ist im Aufbau dem Haus des Pontius Pilatus ähnlich. Diese Plätze lassen das Gewicht der Vergangenheit spüren. Die Steine und das Gesims der Häuser sind stille Zeugen der Geschichte.





Der alte Turm und die 3 Brunnen

Wenn wir entlang des Corso Costantini die jetzige Via Roma folgen, treffen wir in der Nähe der alten Schlossmauer auf das Kommunalwappen, das über 3 Brunnen vom 19. Jahrhundert emporragt. Das Wappen besteht aus einem Schloss mit 3 Türmen. Der Hauptturm, heute noch zur Hälfte erhalten wird auch Turm der Königin Giovanna genannt. Mit einem quadratischen Sockel erhebt er sich majestätisch über dem Mauerring. Der Turm, strategisch günstig über dem gewundenen Fluss „Fino“ gelegen, ist das einzige Überbleibsel eines normannischen Schlosses. Der Sage nach, begann im unterirdischen Gewölbe des Turmes ein Tunnel, in dem ein goldener Webstuhl vergraben war.




 

Die Abtei

Wie aus dem Grabstein zwischen den halbgotischen Bögen zu entnehmen ist, wurde die Abtei im Jahre 1472 von den Patern des Zölestinenordens errichtet. Im Innern befindet sich ein kleines Museum mit den Habseligkeiten des Pasqualino Canzii.




 

Die Kirche San Pietro und die Abtei der Zölestiner

Fälschlicherweise behauptet Di Vestea, dass die Kirche um 1260 errichtet wurde. Er meint außerdem, dass die Pfarrei ihren Ursprung der Wohltätigkeit (Pfründe) der Abtei San Pietro zu verdanken hat. Die Abtei San Pietro befand sich in Penne, daher der Name „ad Pennam“. Das unveränderte einfache Aussehen des Bauwerkes, erhellt durch ein kleines einbogiges Fenster, führt uns in eine Zeit vor dem 11. Jahrhundert zurück. Zu dieser Zeit hatten die einschiffigen Kirchen zum größten Teil ein fast häusliches Aussehen. Auch die Fassaden waren sehr einfach und kahl gehalten.